Es fängt immer mit einer Nachricht an, die zu gut klingt: "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben ein iPhone 17 Pro gewonnen!" Drei Sekunden später sind Sie hellwach, klicken auf den Link, geben Ihre Adresse ein — und irgendwo zwischen "IBAN bestätigen" und "Versandkosten zahlen" kippt die Sache. Der Gewinn war nie einer. Das Problem ist jetzt echt.
Ich kenne dieses Gefühl. Nicht aus einem Lehrbuch, sondern aus einem Samstagabend vor zwei Jahren, als mein Schwager mir stolz einen Screenshot zeigte, den er für einen echten dm-Gewinn hielt. Wir haben damals fast zwei Stunden gebraucht, um den Schlamassel wieder einzurennen. Deshalb dieser Text: eine Reihenfolge, die funktioniert, wenn Sie aus einem Fake Gewinnspiel wieder rauswollen — und ein paar Dinge, die ich selbst falsch gemacht habe.
Wichtige Erkenntnisse
- Bei einem Fake Gewinnspiel existiert kein wirksamer Vertrag — Sie müssen nichts „kündigen“, sondern Zahlungen stoppen und Daten sichern.
- Erste Priorität: Bank anrufen und SEPA-Lastschrift zurückbuchen. Das geht innerhalb von acht Wochen problemlos.
- Nie auf Rückrufnummern aus der Gewinnmitteilung reagieren, keine „Bearbeitungsgebühr“ überweisen.
- Beweise sichern, bevor Sie die Seite schließen: Screenshots, Uhrzeit, Absenderadresse.
- Anzeige bei der Polizei kostet nichts und ist bei Daten- oder Geldverlust sinnvoll.
- Wurden IBAN oder Ausweisdaten weitergegeben, ist Datenüberwachung wichtiger als Geld zurückzuholen.
Fake Gewinnspiel: so kommen Sie da wieder raus
Die unbequeme Wahrheit vorweg: Es gibt keinen „Kündigen“-Knopf. Die meisten Fake Gewinnspiele arbeiten nicht mit Verträgen, sondern mit Zugriff auf Ihr Geld und Ihre Daten. Der Ausstieg ist deshalb keine Formalität, sondern eine Abfolge von drei Bewegungen — Zahlungen stoppen, Daten absichern, Spuren hinterlassen — und die Reihenfolge ist nicht beliebig.
Die ersten Stunden: Zahlungen einfrieren
Haben Sie irgendwo IBAN, Kreditkartennummer oder eine Lastschrift hinterlassen, ist das Ihre erste Baustelle. Rufen Sie Ihre Bank an — nicht die Online-Maske, sondern wirklich anrufen. Sagen Sie den Satz, der zählt: „Ich möchte eine SEPA-Lastschrift zurückbuchen, ich habe die nicht autorisiert.“ Innerhalb von acht Wochen geht das bei einer autorisierten Lastschrift ohne Angabe von Gründen; bei einer nicht autorisierten können Sie sogar deutlich länger widersprechen.
Bei Kreditkarte gilt: Kartensperre beantragen, dann Ersatz anfordern. Dauert meist ein paar Werktage, kostet je nach Institut eine kleine Gebühr.
Und dann der Punkt, an dem ich beim ersten Mal falsch gehandelt habe: Ich habe gewartet, ob „der Gewinn“ vielleicht doch noch kommt. Zwei Wochen. In der Zeit hat der Anbieter zweimal abgebucht. Warten ist immer die schlechteste Option.
Was mit den schon übermittelten Daten passiert
Wenn Name, Adresse oder E-Mail schon raus sind, ist das nicht reversibel. Was Sie tun können: Passwörter für alle Konten ändern, bei denen dieselbe E-Mail-Adresse verwendet wurde, und für die nächsten Wochen misstrauisch bei unerwarteten Rechnungen oder Paketen sein. Ich habe es erlebt, dass ein Anbieter nach vier Monaten mit einer „Aboverlängerung“ um die Ecke kam — auf einer Adresse, die es für diesen Zweck nie hätte geben dürfen.
Bei übermittelten Ausweiskopien oder IBAN: Melden Sie das bei Ihrer Bank und prüfen Sie Ihre Kontoauszüge gezielt. Ein Ausweis in falschen Händen ist unangenehmer als ein verlorener Fünfer.
Was tun, wenn man bei einem Fake Gewinnspiel mitgemacht hat?
Kurz und ehrlich: Nicht in Panik verfallen — aber auch nicht abwinken. Die Reihenfolge, die bei mir funktioniert hat:
- Screenshot machen. Sofort, bevor die Seite verschwindet. Komplette URL, Datum, Uhrzeit, Absender.
- Bank informieren (siehe oben). Das ist der einzige Schritt, der Geld wirklich rettet.
- Nichts nachzahlen. Keine „Bearbeitungsgebühr“, kein „Versandkosten-Update“, keine Krypto-Zahlung.
- Anzeige erstatten. Online bei der Polizei Ihres Bundeslandes, kostenlos, mit den Screenshots als Anlage.
- Melden bei der Verbraucherzentrale — nützlich, weil dort Warnungen gebündelt werden.
Der Punkt, der viele überrascht: Sie müssen kein Schreiben aufsetzen und niemandem „widersprechen“. Ein Vertrag, den es nicht gibt, braucht keinen Widerruf. Wer einem Fake-Anbieter einen formellen Widerruf schickt, bestätigt oft nur, dass die Adresse aktiv ist.
Kann man ein Gewinnspiel widerrufen?
Bei einem echten Gewinnspiel gibt es nichts zu widerrufen — die Teilnahme ist keine vertragliche Verpflichtung, aus der Sie herausmüssen. Anders liegt der Fall, wenn Sie unbeabsichtigt ein Abonnement abgeschlossen haben, etwa durch eine vorgeschaltete Checkbox oder eine „kostenlose Testphase“, aus der ein bezahlter Vertrag wurde. Dann gilt das übliche Widerrufsrecht für Fernabsatzverträge: 14 Tage, ohne Begründung, in Textform gegenüber dem Anbieter. Der Haken: Bei einem Fake-Anbieter laufen Widerrufe ins Leere, weil es keine erreichbare Gegenstelle gibt. Deshalb ist die Lastschriftrückbuchung bei der Bank das wirksamere Mittel.
Ich habe bei einem gefälschten dm-Gewinnspiel teilgenommen. Was soll ich tun?
Diese Frage bekomme ich erstaunlich oft — und die Antwort ist bei dm, Amazon, Rewe oder McDonald's immer dieselbe, weil die Masche identisch ist. Die Marke wird als Köder benutzt, ohne dass sie etwas damit zu tun hat. dm selbst weist auf seinen offiziellen Kanälen regelmäßig darauf hin, dass Gewinnspiele nur dort ausgeschrieben werden.
Was konkret zu tun ist:
- Screenshot der Gewinnspielseite und des Profils, das Sie angeschrieben hat. Beides ist später wichtig.
- Melden Sie das Profil bei Instagram (oder der jeweiligen Plattform). Dauert 30 Sekunden, hilft dem nächsten Opfer.
- Kontaktieren Sie den echten Kundenservice der Marke — nicht um Schadensersatz zu bekommen, sondern damit der Betrug gemeldet ist. dm dokumentiert solche Fälle nach meiner Erfahrung zuverlässig.
- Prüfen Sie Ihre Bankverbindung. Wurde Geld abgebucht, sofort zurückbuchen lassen.
Wichtig: Sie haben keinen Anspruch auf den „Gewinn“. Ein Anbieter, der nie einen Gewinn ausgelobt hat, schuldet Ihnen nichts — auch wenn das ärgerlich klingt. Was Sie haben, ist ein Anspruch auf Schadensersatz, wenn ein konkreter Vermögensschaden entstanden ist. Das ist ein Unterschied, den ich selbst erst lernen musste.
Woran Sie ein Fake Gewinnspiel erkennen
Ein paar Muster wiederholen sich so zuverlässig, dass ich sie inzwischen im Schlaf erkenne:
- Das Profil ist neu, hat wenige Follower und keine echten Interaktionen.
- Die Gewinnbenachrichtigung kommt als Direktnachricht, nicht als öffentlicher Post.
- Es wird Zeitdruck aufgebaut („nur noch 2 Stunden“).
- Vor dem Gewinn soll etwas gezahlt oder bestätigt werden — Versandkosten, „Verifizierung“, Ausweiskopie.
- Die Domain ist fast richtig, aber nicht ganz (dm-deutschland[punkt]xyz statt dm[punkt]de).
Der sicherste Test: Öffnen Sie die Website der Marke selbst und suchen Sie dort nach dem Gewinnspiel. Wenn es dort nicht steht, existiert es nicht.
Wie bekomme ich mein Geld zurück, wenn ich online betrogen wurde?
Realistische Erwartung zuerst: Bei Überweisungen ist Geld meist weg. Wer selbst überwiesen hat, hat den Auftrag erteilt — die Bank kann eine getätigte Überweisung nur zurückholen, wenn das Empfängerkonto noch gedeckt ist, und das ist selten. Bei Lastschrift und Kreditkarte sieht es deutlich besser aus, weil dort ein Rückbuchungsrecht existiert.
| Fall | Rückbuchung möglich? | Frist |
|---|---|---|
| SEPA-Lastschrift, nicht autorisiert | Ja, über die Bank | bis 13 Monate |
| SEPA-Lastschrift, autorisiert | Ja, ohne Begründung | 8 Wochen |
| Kreditkartenzahlung | Ja, über Chargeback | typisch 120 Tage |
| Eigene Überweisung | Nur bei Rückholdurchlauf | wenige Tage |
| Krypto-Zahlung | Praktisch nein | — |
Was zusätzlich hilft: Anzeige erstatten. Zwar bekommen Sie dadurch selten Geld zurück, aber bei größeren Serien ermitteln Staatsanwaltschaften und sammeln Geschädigte. Ich habe einmal einen Brief von einer Staatsanwaltschaft bekommen, ein Jahr nach meiner Anzeige — das Geld war weg, aber der Anbieter auch.
Was tun bei Anrufen von angeblichen Gewinnspiel-Anbietern?
Wenn das Telefon klingelt und jemand behauptet, Sie hätten gewonnen, aber Ihre Kontodaten „zur Verifizierung“ braucht: auflegen. Kein Smalltalk, keine Höflichkeit. Diese Anrufe sind der häufigste Weg, über den Gewinnspiel-Abos untergeschoben werden.
Und wenn behauptet wird, Sie hätten ein Abo „nicht gekündigt“: Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, wann und wo Sie es abgeschlossen haben sollen. Seriöse Anbieter liefern das, Betrüger werden ausweichend oder aggressiv. Ich habe einmal erlebt, wie ein Anrufer nach dieser Frage einfach auflegte.
Was bleibt
Der ärgerlichste Teil an einem Fake Gewinnspiel ist nicht das Geld. Es ist das Gefühl, ausgetrickst worden zu sein — und die Zeit, die man mit Aufräumen verbringt. Was mir geholfen hat: den Ausstieg als Handwerk zu sehen statt als Pech. Zahlung stoppen, Daten sichern, Anzeige, fertig.
Und dann die unbequeme Frage, die am Ende bleibt: Warum funktionieren diese Maschen so gut? Nicht, weil Menschen naiv sind, sondern weil die Grenze zwischen einem echten Gewinnspiel und einem Fake oft nur ein fehlendes Impressum ist. Wer das einmal verstanden hat, klickt anders. Das ist vielleicht der einzige echte Gewinn in der ganzen Sache.